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B.O.S.S.

B.O.S.S. steht für: Berufliche Orientierung: Schüler als Selbständige. Dahinter verbirgt sich eine Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Rheinland-Pfalz.

Ziel dieser Initiative ist es, ein besseres Verständnis ökonomischer Zusammenhänge zu vermitteln und an Schulen für unternehmerische Selbständigkeit zu werben.

(In diesem Kontext sollten wir uns die Frage stellen, ob wir gesellschaftlich gesehen überhaupt mehr Selbständige brauchen.)

Kernstück der Initiative ist der B.O.S.S.-Projekttag. Im Rahmen eines solchen Projekttages treffen Schüler auf Unternehmer aus der mittelständischen Wirtschaft. In Gesprächen, Workshops und Planspielen sollen sie Gelegenheit bekommen, Wirtschaftsthemen aus einer veränderten Perspektive zu sehen und junge Unternehmer persönlich zu erleben, wobei die Workshops den Hauptteil des Projekttages bilden. In Diskussionsrunden erzählen die Mittelständler von ihrem eigenen Werdegang, den Vor- und Nachteilen eines Selbständigen und geben Tipps, wie man eine Geschäftsidee in die Tat umsetzt. Auch Schülerunternehmen und Junior-Unternehmer sowie Politiker, Kammern und weitere Entscheidungsträger der Wirtschaft können teilnehmen. Außerdem werden an vielen Schulen auch Eltern und Elternbeiräte mit in das Projekt einbezogen.

Der erste B.O.S.S.-Projekttag fand am 28.9.1999 gleichzeitig an fünf verschiedenen Schulen in Rheinland-Pfalz statt. Diese Schulen wurden vom Ministerium ausgewählt und es wurde ihnen ein Konzept zum Ablauf des Projekttages, Lehrmaterial und begleitende Unterlagen von der Initiative zur Verfügung gestellt.

Auf diesen ersten Projekttag geht die Gründung des Arbeitskreises "Schule Wirtschaft" für die Stadt Mainz zurück.

 

Wie verändert sich Schule durch die Initiative?

Beispiel Realschule Rockenhausen, nach einem Telefonat mit der Konrektorin Frau Schönauer-Gragg (Leiterin des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft Donnersberg):

Das eigentliche Projekt fand nachmittags, also außerhalb der Schulzeit statt. Die Teilnahme der Schüler war freiwillig.

Die Vorbereitung fand im Rahmen des Wahlpflichtfaches "Wirtschaft und Sozialkunde" statt, das mit 4-5 Wochenstunden unterrichtet wird. Im Zusammenhang mit dem Themenfeld "Das Unternehmen" ist der Unternehmer Thema in Wirtschafts- und Sozialkunde der Klassenstufe 9; so musste nur das Thema im 10er-Kurs wiederholt werden, allerdings intensiver als es sonst üblich ist. Laut Frau Schönauer-Gragg musste kein Unterricht ausfallen, weder für die Vorbereitung, noch für die Durchführung des Projektes.

Nach Frau Schönauer-Gragg entscheiden Wirtschaftsunternehmen nicht mit über Schulanglegenheiten. Das Schulkonzept sehe vielmehr vor, dass sich "beide Seiten einander annähern". Diese Aussage kann alles und nichts bedeuten, ist also nichts weiter als eine hohle Phrase.

Meiner Meinung nach ist eine Einflussnahme schon allein durch die Tatsache gegeben, dass die Projekte vom Ministerium für Wirtschaft finanziert werden. Außerdem werden die Schulen vom selben Ministerium ausgewählt. Üblicherweise ist das Kultusministerium für Bildung zuständig, nicht aber das Wirtschaftsministerium.

Arbeitsmittel und Arbeitsmethoden von B.O.S.S.

Vorträge von Fachleuten
Lehrerfortbildungen
Schulübergreifende Projekte
Bereitstellung didaktischer Hilfsmittel für Lehrer
Einrichtungen von Patenschaften zwischen Unternehmen und Schulen

Außerdem kooperiert B.O.S.S. mit der Landesvereinigung der rheinland-pfälzischen Unternehmerverbände (LVU).Deren Vorsitzender, Dr. Eberhard Schwarz, machte am 29.6.99 vor dem LVU-Unternehmertag folgende Aussagen:

Eine gute Schulausbildung sei nach wie vor unverzichtbare Voraussetzung für die berufliche Ausbildung, deren Anforderungen die Schulabgänger aber in zunehmendem Maße nicht mehr genügten. (An dieser Stelle könnte man sich die Frage stellen, ob Schule tatsächlich schlechter geworden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, sondern sich vielmehr die Ansprüche der Wirtschaft geändert haben, bliebe noch die Frage offen, ob es tatsächlich Aufgabe der Schule ist, sich der Wirtschaft anzupassen.) Hierzu machte Prof. Dr. Zöllner (Minister für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung) in einer B.O.S.S.-Pressemitteilung folgende Aussage:

"[...] Schule als Teil des Gesamtsystems Gesellschaft muss sich den Anforderungen aus Wirtschaft und Gesellschaft öffnen, auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren und diese vor allem auch aktiv mitgestalten.." B.O.S.S. solle in diesem Zusammenhang Orientierungshilfe bei grundlegenden Fragen wie der Berufswahl, der Ausbildung und der Erwerbstätigkeit geben.

Vor diesem Hintergrund unterstützten die Unternehmerverbände die Absicht Dr. Zöllners, ein Qualitätsmanagement im deutschen Schulsystem einzuführen. Dies bedeutet schulinterne Maßnahmen, wie Hilfen zur Unterrichts-, Personal- und Organisationsentwicklung mit entsprechenden Angeboten in der Beteiligung der Schulen bei der Auswahl der Lehrkräfte bis hin zur Lehrerausbildung und Qualifizierung deer Schulleitungen.

Darüber hinaus ist - neben diesen schulinternen Maßnahmen - eine externe Überprüfung der Ergebnisse vorgesehen; dabei sollen auch Leistungstests Bestandteil des Konzepts sein.

Meiner Meinung nach ist es durchaus berechtigt, Schule als Teil des Gesamtsystems Gesellschaft zu sehen, denn dass sie nicht in einem Vakuum existieren kann, steht außer Frage. Eine ganz andere Sache ist es aber, Wirtschaft und Gesellschaft gkeichzusetzen.

Hier stellt sich wieder die grundsätzliche Frage:

 

Was kann und soll Schule eigentlich leisten?