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Schulen und Unternehmen im Dialog,

Weidmüller Stiftung

 

Kurzdarstellung des Projekts

"Schulen und Unternehmen im Dialog" ist eine Initiative der Weidmüller Stiftung, der Wirtschaftsjunioren Ostwestfalen, Lippe/Detmold und Paderborn Höxter sowie der Bezirksregierung Detmold, wobei die Weidmüller Stiftung die Federführung besitzt.

Die internationale Unternehmensgruppe Weidmüller zählt zu den Marktführern im Bereich der Interface- Technik (Bereich Elektrotechnik)und hat ihren Sitz in Detmold.

Weidmüller legt besonderen Wert auf systematische Nachwuchsförderung. Neben der Förderung im Hochschulbereich widmet sich das Unternehmen auch der Koordination und Betreuung mehrerer Kooperationsprojekte von Schulen und Unternehmen. 1997 startete ihr bislang größtes Projekt in diesem Bereich unter dem Motto "Technikorientierung in Schule und Wirtschaft". Die Erfahrungen aus diesem Projekt dienten im Herbst 1998 als Grundlage für ein weiters Projekt "Schulen und Unternehmen im Dialog: Technologie und Wirtschaftlichkeit".

Dies Projekt zeichnet sich durch eine enge Kooperation von Schulen und Unternehmen aus. Hierbei arbeiten Schulen mit 18 Unternehmen der Region Ostwestfalen- Lippe zusammen. Angestrebt werden Kooperationen zwischen räumlich eng benachbarten Partnern. Ziel ist, die wirtschaftlichen Abläufe in einem Unternehmen in seiner ganzen Komplexität durch einen fächerübergreifenden und handlungsorientieren Unterricht ganzheitlich darzustellen, wobei das Unternehmen vor Ort sowohl Unterrichtsgegenstand als auch Lernort sein kann. Alltags- und Praxisrelevanz stehen dabei im Vordergrund. Schwerpunkte stellen zum einen technisch-naturwisenschaftliche Fragestellungen dar, zum anderen werden diese Technologien in ihren betriebswirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Zusammenhängen behandelt. Durch Diskussionen im Rahmen von Betriebsexkursionen analysieren Pädagogen und Fachleute aus den jeweiligen Unternehmen mögliche Technikanwendungen und betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen hinsichtlich ihres sinnvollen Einsatzes im Unterricht. In geeigneten Fächern und/oder durch ergänzende Lernformen wie Projekte, Projektwochen, Kurse oder Arbeitsgemeinschaften sollen dann Themen aus der beruflichen Praxis aufgegriffen werden, wobei gezielte Arbeit im Bereich der Medienerziehung den Unterricht in diesen Bereichen unterstützen soll.

Den verschiedenen Schulen und Unternehmen entsprechend gestalten sich die Vorgehensweisen und Umsetzungen der Projektidee unterschiedlich. Deshalb soll im folgenden ein Projekt näher erläutert werden.

Das Projekt "Coffein" fand in Zusammenarbeit mit der Knoll AG, Werk Minden sowie mit sechs Gymnasien der Umgebung statt. Zielgruppen für das Projekt waren Chemiekurse, in Teilbereichen auch Biologiekurse der Sekundarstufe II. Neben der Integration in den Unterricht, konnte die Unterrichtsreihe jedoch auch im Rahmen einer Projektwoche eingesetzt werden. Grundidee des Projektes "Coffein" war, einen großtechnischen chemischen Prozeß mit einer ortsansässigen Firma für den Unterricht in der Schule didaktisch und methodisch aufzubereiten. Hierfür bot sich die Zusammenarbeit mit dem Werk in Minden als größtem Coffein – Produzenten der Welt an. Die Prozeßschritte, die sich für die Arbeit in der Schule eigneten, wurden in enger Absprache zwischen den Pädagogen und den Naturwissenschaftlern der Firma Knoll ausgewählt. Aus Gründen der Sicherheit wurden vier Syntheseschritte der Coffein –Synthese nach Traube als für die Anwendung im Unterricht geeignet befunden. Die benötigten Zwischenprodukte und Chemikalien stellte das Unternehmen den beteiligten Schulen zur Verfügung.

Problem- bzw. Fragestellungen im Rahmen des Projekts lauteten :

Struktur des Coffeins und die Wirkmechanismen im menschlichen Körper?
Wieviel Coffein enthält Kaffee oder Tee?
Wodurch wird der Coffeingehalt im Kaffe- bzw. Tegetränk beeinflußt?
Welcher Bedarf an Coffein ist weltweit vorhanden und wie kann der Bedarf gedeckt werden?
Wie gewinnt man Naturcoffein aus Kaffe oder Tee?
Synthese von Coffein?

Die hierzu erarbeiteten Projektphasen waren:

Photometrische Coffeinbestimmung
Sythese von Coffein (Traube – Synthese)
Extraktion von Naturcoffein aus Tee bzw. Kaffee
Ergebnisssicherung durch die Arbeitsgruppen (Reaktionssschema, Reaktionsmechanismen, Produktbeschreibung, Marktanalyse)

Die Projektphasen fanden zum Teil in der Schule statt, zum anderen Teil im Rahmen einer Exkursion zur Firma Knoll AG/Werk Minden

Soll- Nutzen der Schule

Da das Unternehmen sowohl als Unterrichtsgegenstand als auch als Lernort für ein Projekt in Frage kommt, werden auch dessen Produkte, Prozeßverfahren etc. zu möglichen Lerninhalten. Die Schule ist somit durch den Kontakt zu einem bestimmten Unternehmen in der Lage, durch Zusammenarbeit zwischen Pädagogen und Fachleuten des Unternehmens ganz neue innovative Unterrichtseinheiten und Unterrichtsformen anzubieten. Inhalte wie betriebliche Abläufe, Marktstrukturen, Oragnisationsformen oder Vertrieb werden erst durch diese Zusammenarbeit zu möglichen Unterrichtseinheiten. Statt der Arbeit im Schullabor ist die Arbeit in Teilen der betriebseigenen Labore denkbar oder zumindest die Möglichkeit für die Schüler, diese Arbeitsschritte im Rahmen von Betriebsexkursionen vor Ort mit zu verfolgen. Oder aber die Schulen erhalten die nötige Chemie und Zwischenprodukte von den Unternehmen, um bestimmte Arbeitsschritte in der Schule selbst durchzuführen. Zudem kann die Schule ihren Schülern, bedingt durch den engen und meist längerwährenden Kontakt zu einem Unternehmen, ihren Absolventen Firmenkontakte bieten, die ihnen als Sprungbrett für eine spätere Anstellung von Nutzen sein können. In jedem Fall aber werden durch die Arbeitsweise innerhalb der Projekte häufig formulierte Grundprobleme unseres Bildungsystems angegangen, nämlich die Praxisferne der Ausbildung und das Denken in starren Fachgebieten. All diese Privilegien, die sich durch die Zusammenarbeit mit den Unternehmen ergeben, bedeuten zusätzliche Attraktivität der Schule.

Konkrete Interessen der Unternehmen

Ein wichtiger Grund, die oben genannte Initiative zu gründen, waren die deutlich zurückgegangenen Zahlen von Studienanfängern in natur- und ingenierwissenschaftlichen Disziplinen. Durch den direkten Kontakt mit Firmen dieser Branche sollen die Schüler frühzeitig für technische Berufe begeistert werden. Durch Aufklärung über Anforderungen Chancen und Zukunftsperspektiven in Bezug auf technische Berufsfelder, soll für diese Berufe geworben werden und sollen Unsicherheiten hinsichtlich der Berufswahl abgebaut werden. Ziel ist das frühe Erkennen und Fördern technischer Neigungen. Auf diese Weise sorgen die Unternehmen für ihren eigenen Nachwuchs und können dessen Ausbildung in Teilen schon in der Schulzeit beeinflussen und mitbestimmen. So ist bei Absolventen kooperierender Schulen ein gewissens technisches Verständnis und sogar vereinzeltes Vorwissen in Bezug auf die betrieblichen Strukturen zu erwarten. Unter Umständen sind dem Unternehmen sogar die einzelnen beteiligten Schüler bekannt, so daß sogar eine gezielte Auswahl der Absolventen für den Betrieb in Erwägung gezogen werden kann.

Veränderung der Schule

Schule wird in der Hinsicht verändert, als daß sie sich hin zum außerschulischen Umfeld öffnen soll. Neben Pädagogen werden im Rahmen der Projekte auch nicht für den Schuldienst ausgebildete Fachleute der Unternehmen in die Gestaltung von Unterricht einbezogen. Vorgaben und Richtlinien wie die des Kultusministeriums werden jedoch natürlich weiterhin beachtet und ebenfalls in die Gestaltung einbezogen. Zum Teil kann diesen durch die Zusammenarbeit mit den unternehmen sogar in ganz besonderem Maße nachgekommen werden. So sehen die neuen Lehrpläne in Nordrhein – Westfalen, insbesondere in den naturwissenschaftlich- technischen

Unterrichtsfächern der allgemeinbildenden Schulen, die Reduzierung der allein auf die Fachwissenschaften orientierten Unterrichtsinhalte zugunsten von Themen mit konkretem Alltags- und Gegenwartsbezug vor. Handlungs- und anwendungsbezogener Unterricht erhält so einen deutlich größeren Stellenwert, welchem innerhalb der Projektarbeit in besonderer Weise Rechnung getragen werden kann.

Unterricht findet nicht mehr zwangsläufig in der Schule statt, sondern ist auch in den jeweiligen Unternehmen als Lernort möglich. Ferner besteht die Möglichkeit, den gängigen Rahmen von Unterricht zu verändern und die Unterrichtseinheiten nicht in Form normaler Unterrichtsstunden durchzuführen, sondern in Form von Projektwochen, Kursen oder Arbeitsgemeinschaften. In jedem Falle aber werden die Grenzen der einzelnen Fachgebiete derart geöffnet, daß es zu fließenden Übergängen kommt.

Chancen und Risiken für Schule

Mögliche Risiken für Schule können darin bestehen, daß sich die beteiligten Unternehmen in zu großem Maße in die Unterrichtsgestaltung einmischen wollen. Dies könnte geschehen, wenn sie durch die Art der Mitgestaltung zu viel Macht erhalten, indem sie nur solche Unterrichtseinheiten betreuen oder sponsorn, die ihren eigenen Zielen dienlich sind. Unternehmen könnten damit u.a. bezwecken, die Schüler durch die Art des Unterrichts auf ihre Unternehmensphilosophie hin zu beeinflussen. So könnte Unterricht zu spezialisiert werden und die Schüler vielleicht zu frühzeitig in eine bestimmte Berufssparte drängen, ohne Alternativen aufzuzeigen. Ferner kann es zu einem verstärkten Konkurrenzkampf unter den einzelnen Schulen kommen, um die Gunst eines Unternehmens für sich zu gewinnen und so die bereits oben angeführten Vorteile aus der Projektarbeit genießen zu können.

Andererseits hat Schule durch diese neue Anbindung an die Wirtschaft auch ganz neue Chancen, ihre Schüler auf den Bedarf der Industrie hin auszubilden und nicht an ihm vorbei und kann ihnen so vielleicht einen besseren Start ins Berufsleben ermöglichen. Neue Medien, Wirtschaftsthemen, Marktstrukturen und Organisationsformen werden in der heutigen Zeit immer wichtiger und finden so den Einzug in die schulische Ausbildung.