Perspektive
Home Nach oben

 

Nach oben
Rahmen
BOSS
Theoprax
WiGy
Perspektive
Dialog
Diskussion

 

 

Seminar: Schule I 25.01.2001

Dozent: Prof. T.Sander

Referentin: Julia Feldhaus

 

Perspektive Selbständigkeit, IHK zu Lübeck

1.) Kurzdarstellung des Projektes

Das Projekt "Perspektive Selbständigkeit" wurde 1999 von der IHK (Industrie- und Handelskammer) zu Lübeck in Zusammenarbeit mit der KAB (Kammergemeinschaft Ausbildung und Bildung norddeutscher Industrie- und Handelskammern) gegründet. Die Idee dieses Projekts ist, dass Schüler ein fiktives Unternehmen gründen und dessen Geschäftsidee mit allen notwendigen Schritten einer Unternehmensgründung bis zum fertigen Businessplan verfolgen. Zum Abschluss wird das Unternehmenskonzept einem Experten aus der Wirtschaft zur Prüfung vorgelegt.

Als Zielgruppe fungieren alle allgemeinbildenden Schulen aller Schularten und berufsbildende Schulen. Besonders geeignet erscheinen auch Oberstufenklassen an Gymnasien, Abschlussklassen an Haupt- und Realschulen und berufsbildende Schulen.

 

 

Möglicher Projektablauf

 

1.) Auftaktveranstaltung

Die Schüler werden hier mit der Zielsetzung und den Bausteinen des Projekts bekannt gemacht. Außerdem werden hier gemeinsam Geschäftsideen und Anregungen für die Gliederung des Unternehmenskonzeptes entwickelt.

 

2.) Diskussion über Voraussetzungen für eine berufliche Selbständigkeit

Ein Unternehmer berichtet über persönliche und fachliche Voraussetzungen und stellt die individuellen Einstellungen und Erfahrungen dar. Im Anschluss kann über die persönlichen Voraussetzungen und fachliche Qualifikationen diskutiert und berichtet werden.

 

3.) Von der Geschäftsidee bis zur Konzepterstellung

Kernstück des Unterrichtsprojekts ist natürlich die Arbeit am Unternehmenskonzept. Die Schüler entwickeln -möglichst in Teamarbeit- eine eigene Geschäftsidee. Es werden Themenfelder wie Kundenstruktur, Mitbewerber und Standort ebenso wie rechtliche Grundlagen, Finanzplanungen oder den Personalbedarf erörtert. Zahlreiche öffentliche und private Institutionen beraten und helfen bei der Existenzgründung.

 

4.) Unternehmensbesuch

Begleitend zur Konzeptentwicklung findet ein Besuch in einem Unternehmen statt, wo vor Ort erlebt und erfragt werden kann, welche Bedeutung die einzelnen Faktoren eines Konzeptes für die Unternehmensführung haben. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, wie wichtig persönliche Voraussetzungen auch für Angestellte sind.

 

5.) Konzeptpräsentation

Das fertige Konzept wird Fachkräften vorgelegt und von diesen geprüft. Anschließend erhalten die Schüler von der IHK zu Lübeck eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme an dem Projekt "Perspektive Selbständigkeit".

Der zeitliche Rahmen wird von den Lehrern selbst bestimmt und hängt von der Intensität der Bearbeitung, sowie den gegebenen Möglichkeiten ab (z.B. Behandlung im normalen Unterricht oder während einer Projektwoche).

Die "Perspektive Selbständigkeit" will Lehrer dazu ermutigen, die "unternehmerische Selbständigkeit" realitätsnah und lebendig in den Unterricht einzubinden und bietet ihnen daher in den verschiedensten Bereichen konkrete Hilfestellungen an.

Leitlinien für die Durchführung des Projekts sind dabei eine große Praxisnähe, eine enge Kooperation mit den Unternehmern vor Ort und die Vermittlung von grundlegenden Kompetenzen.

 

2.) Was hat Schule davon?

- Schüler werden angeleitet selbständig zu arbeiten

- Gruppenarbeit wird trainiert

- positive Fähigkeiten, Einstellungen und Haltungen werden gefördert

- Schülern werden neue Perspektiven eröffnet

- Einübung in Kreativität und problemlösendes Denken

- Anregung eigener Denkprozesse

- Förderung der Interessen der Schüler

- Vermittlung einer positiven Einstellung über die berufliche Zukunft

- Perspektive Selbständigkeit will es Lehrern erleichtern, das Thema "unternehmerische Selbständigkeit" realitätsnah und attraktiv in den Unterricht aufzunehmen

- Schüler bekommen die Möglichkeit ein Bewußtsein für selbständiges und verantwortliches Handeln in der Berufs- und Arbeitswelt zu entwickeln

- Vorträge von Fachleuten, Betriebserkundigungen, Lehrerfortbildungen, Bereitstellung didaktischer Hilfsmittel für Lehrer, Gründung und Betreuung von Schülerfirmen

 

3.) Was hat die Wirtschaft davon?

- selbständiges Wirken im Beruf, auch als Angestellter

- Heranziehung neuer Unternehmer

- bewusste Wahrnehmung der Selbständigkeit als Zukunftsperspektive

- Jugendliche machen sich schon frühzeitig mit den Gesetzen unternehmerischen Handelns vertraut

- sollen Perspektive des Unternehmens kennen lernen

- lernen die Faktoren für die Gründung und Führung eines Betriebes kennen

- verstehen wirtschaftliche Zusammenhänge

- sammeln Eindrücke und wertvolle Erfahrungen im Bereich Wirtschaft und Unternehmensführung

- können berufliche Selbständigkeit als eine mögliche Perspektive für ihren beruflichen Lebens- weg erkennen

 

4.) Verändert sich die Schule durch das Projekt?

 

Die Perspektive Selbständigkeit möchte es Lehrern erleichtern, das Thema "unternehmerische Selbständigkeit" realitätsnah und attraktiv in ihren Unterricht zu integrieren. Das Projekt wird in der Planung mit den Lehrkräften abgestimmt und intensiv begleitet. Die Lehrperson bestimmt den zeitlichen Rahmen, in dem dieses Projekt durchgeführt wird. Der Unterricht wird durch das Prinzip "learning by doing" bereichert und somit interessanter gestaltet. Außerdem werden Kontakte zu örtlichen Unternehmen hergestellt. Da es sich lediglich um ein Projekt handelt, das in größtem Maße von der Lehrperson bestimmt und geleitet wird, halte ich ein solches für sehr empfehlenswert. Es kommt den Schülern, also der Schule sowie der Wirtschaft zugute. Warum sollte man mit den Schülern nicht eine Projektwoche in dieser Weise gestalten, die ich für sehr nützlich und interessant halte?

 

5.) Chancen und Risiken für die Schule

 

Da es sich bei der Perspektive Selbständigkeit nur um ein zeitweiliges Projekt handelt, glaube ich nicht, dass es besonders große Risiken für die Schule, bzw. den Lehrplan bieten dürfte. Im Gegenteil, eine Projektwoche könnte damit doch endlich mal vernünftig genutzt werden. Den Schülern werden neue Perspektiven für ihre berufliche Zukunft vermittelt, die neben der Chance ein eigenes Unternehmen zu gründen auch den Gedanken der Selbständigkeit des Angestellten als interessierten Mitarbeiter fördert. Natürlich ist es sehr illusionistisch von der IHK zu Lübeck zu glauben, sich mit einem solchen Projekt eine neue Generation von Unternehmern heranzuziehen, aber schaden kann es den Schülern ja nicht, sich mit den Problemen der Marktwirtschaft auseinanderzusetzen. Außerdem werden somit Kontakte zu ortsansässigen Firmen geknüpft, die den Schülern vielleicht bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen, nicht zuletzt durch das hier zu erwähnende Zertifikat der IHK zu Lübeck über die erfolgreiche Teilnahme an einem solchen Projekt. Da der Lehrer den zeitlichen Rahmen und die Intensität der Behandlung des Themas bestimmt, halte ich die Einmischung der Wirtschaft in den Unterricht für gering und somit für vertretbar.